Ein Altglienicker _

Der Hausmeister ist ein wahrer "major domus", ruhig und gelassen, mit Rat und Tat zur Stelle, wenn er gebraucht wird, eine Vertrauensperson, von der die Kinder schwärmen, wie mir Erika Röhl versichert, die gerade ihr Enkelkind abholt. Er tröstet, wenn das Meerschweinchen gestorben oder der Kanarienvogel weggeflogen ist. Er hilft bei schwierigen Problemen, wenn Matthias zum Beispiel Schuhe für seine Hühner bastel will.!?
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Zu ihm kommt man, wenn der Schlüssel weg ist. Patrick vermißt seinen schönen Torwart-Handschuh. In der Fundsachenschachtel beim Hausmeister liegen mehrere, aber seiner ist hier noch nicht gelandet. Er wird auf den nächsten Tag vertröstet. Der Hausmeister wird nachher nochmal im Essensaal nachsehen. Jetzt hat er keine Zeit, seine Arbeitsgruppe Malen und Gestalten wartet schon auf ihn. Hoch über dem Treppeenhaus, auf der einstigen Empore der Aula, ist sein Atelier. Hier sieht man noch die schweren Deckenbalken des schönen großen Saales, der seit dem Brand im Dachstuhl nicht mehr existiert, sondern in Vorbereitungräume und Kabinette verwandelt wurde. Einen kleinen Raum hat auch die Videogruppe zu ihrer Verfügung.
Im Atelier stehen Arbeitstische, Staffelleien und eine Druckpresse, die der Hausmeister aus einer alten Wäschemangel gezaubert hat. Zwei Mädchen versuchen sich an Kaltnadelradierungen. Auf der Platte ist noch viel Platz, eine Sonnenblume lugt über einem Zaum und hält Ausschau. "Wie wärs denn mit einem Baum...?" - "Bäume kann ich nicht." - "Na dann sieh doch mal aus dem Fenster, draußen stehen doch genug." - Von hieraus hat man einen weiten Blick über den Sportplatz, das Dorf und die Stadt. Bei gutem Wetter sieht man sogar den Fernsehturm. Doch heute ist es trübe, ein grauer Winterhimmel hängt bis zum Horizont. Hier oben verbringt der Altglienicker Hans-Dieter Krause fast jede freie Minute. Der Hausmeister verwandelt sich dann in einen Maler, denn das ist seine große Leidenschaft. Schon als Kind verspürte er den Drang zum Bildermalen. Die Winterlandschaft einer Mitschülerin fand seine ungeteilte Bewunderung und entfachte in ihm Ehrgeiz, ebensolche Wunder zu vollbringen. Doch der Ehrgeiz allein, wie man weiß, reicht nicht aus. Schon der Vater malte gelegentlich und da auch hier der Apfel nicht weit vom Stamm fiel, probierte das Söhnchen mal Vaters Ölfarben und Pinsel aus. Ein Motiv war bald gefunden: Das Aktbild aus dem "Magazin". Sein erstes Gemälde gefiel ihm prächtig. Übrigens war sein Zeichenlehrer im heimatlichen Eggersdorf Hans-Joachim Riegenring, der den älteren Berlinern vielleicht noch als witziger und spritziger humoristischer Zeichner in Erinnerung sein mag.

Krause wurde aber nicht , wie zu vermuten Maler, sondern Maurer. Seit 30 Jahren wohnt er nun in Altglienicke. Aus gesundheitlichen Gründen mußte er seinen Beruf mit 36 Jahren aufgeben und fand nach einigen Mühen hier eine Aufgabe als Hallenwart in der Turnhalle der Oberschule an der Kopenicker Straße und wenig später als Hausmeister. Und seitdem malt er wieder. Trotz seines einstiegen Erfolges in der Aktmalerei, widmete er sich nun vorwiegend dem Landschaftsbild. Malerische Altglienicker Häuser, altes Gemäuer, umrankelt und brüchig, waren hier seine Motive. Aber auch seine märkische Heimat zieht ihn immer wieder hinaus und ihre karge Schönheit verleitet ihn zum Verweilen und Festhalten des Augenblicks. Die Pfütze zwischen den Kopfweiden, in der sich ungebrochen das Blau des Himmels spiegelt oder das Abendlicht über der dunstigen Ebene des Oderbruchs, das die Mühen des Tages vergessen läßt. In Altglienicke hat er schon mehrmals ausgestellt, aber auch am Fernsehturm und anderswo. Und wenn der Schulleiter, der kurioserweise gleichfalls Dieter Krause heißt, weiterhin mit ihm zufrieden ist und ihn gewähren läßt, dann glauben wir zu wissen, was das neue Jahr den Altglienickern bringt, unter anderem auch von seinem Namensvetter neue Bilder von Altglienicke.






Text und Illustration: Hans-Eberhardt Ernst