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Ein
Altglienicker _
Der
Hausmeister ist ein wahrer "major domus", ruhig und gelassen, mit Rat
und Tat zur Stelle, wenn er gebraucht wird, eine Vertrauensperson, von der die
Kinder schwärmen, wie mir Erika Röhl versichert, die gerade ihr Enkelkind
abholt. Er tröstet, wenn das Meerschweinchen gestorben oder der Kanarienvogel
weggeflogen ist. Er hilft bei schwierigen Problemen, wenn Matthias zum Beispiel
Schuhe für seine Hühner bastel will.!? |
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Im Atelier stehen Arbeitstische, Staffelleien und eine Druckpresse, die der Hausmeister
aus einer alten Wäschemangel gezaubert hat. Zwei Mädchen versuchen sich
an Kaltnadelradierungen. Auf der Platte ist noch viel Platz, eine Sonnenblume
lugt über einem Zaum und hält Ausschau. "Wie wärs denn mit
einem Baum...?" - "Bäume kann ich nicht." - "Na dann
sieh doch mal aus dem Fenster, draußen stehen doch genug." - Von hieraus
hat man einen weiten Blick über den Sportplatz, das Dorf und die Stadt. Bei
gutem Wetter sieht man sogar den Fernsehturm. Doch heute ist es trübe, ein
grauer Winterhimmel hängt bis zum Horizont. Hier oben verbringt der Altglienicker
Hans-Dieter Krause fast jede freie Minute. Der Hausmeister
verwandelt sich dann in einen Maler, denn das ist seine große Leidenschaft.
Schon als Kind verspürte er den Drang zum Bildermalen. Die
Winterlandschaft einer Mitschülerin fand seine ungeteilte Bewunderung und
entfachte in ihm Ehrgeiz, ebensolche Wunder zu vollbringen. Doch der Ehrgeiz allein,
wie man weiß, reicht nicht aus. Schon der Vater malte gelegentlich und da
auch hier der Apfel nicht weit vom Stamm fiel, probierte das Söhnchen mal
Vaters Ölfarben und Pinsel aus. Ein Motiv war bald gefunden: Das Aktbild
aus dem "Magazin". Sein erstes Gemälde gefiel ihm prächtig.
Übrigens
war sein Zeichenlehrer im heimatlichen Eggersdorf Hans-Joachim Riegenring, der
den älteren Berlinern vielleicht noch als witziger und spritziger humoristischer
Zeichner in Erinnerung sein mag. |
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Krause wurde aber nicht , wie zu
vermuten Maler, sondern Maurer. Seit 30 Jahren wohnt er nun in Altglienicke. Aus
gesundheitlichen Gründen mußte er seinen Beruf mit 36 Jahren aufgeben
und fand nach einigen Mühen hier eine Aufgabe als Hallenwart in der Turnhalle
der Oberschule an der Kopenicker Straße und wenig später als Hausmeister.
Und seitdem malt er wieder. Trotz seines einstiegen Erfolges in der Aktmalerei,
widmete er sich nun vorwiegend dem Landschaftsbild. Malerische Altglienicker Häuser,
altes Gemäuer, umrankelt und brüchig, waren hier seine Motive. Aber
auch seine märkische Heimat zieht ihn immer wieder hinaus und ihre karge
Schönheit verleitet ihn zum Verweilen und Festhalten des Augenblicks. Die
Pfütze zwischen den Kopfweiden, in der sich ungebrochen das Blau des Himmels
spiegelt oder das Abendlicht über der dunstigen Ebene des Oderbruchs, das
die Mühen des Tages vergessen läßt. In Altglienicke hat er schon
mehrmals ausgestellt,
aber auch am Fernsehturm und anderswo. Und wenn der Schulleiter, der kurioserweise
gleichfalls Dieter Krause heißt, weiterhin mit ihm zufrieden ist und ihn
gewähren läßt, dann glauben wir zu wissen, was das neue Jahr den
Altglienickern bringt, unter anderem auch von seinem Namensvetter neue Bilder
von Altglienicke.
Text
und Illustration: Hans-Eberhardt Ernst
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